Houston, we...
Die erste Maßnahme: Ich steige aus dem Gebirge ab. Allerdings ist der Weg ziemlich bescheiden. Der auf der Karte eingezeichnete Pfad, der sogar als Wanderweg ausgeschildert ist, existiert schlichtweg nicht. Stundenlang schlage ich mich durch die Wildnis und folge irgendwelchen Wildwechseln, die vielleicht Schafe, Ziegen oder Rehe ausgetreten haben. Das Problem ist nur: Ich bin größer als ein Schaf oder Reh. Wo der Pfad unter Bäumen hindurchführt, bleibe ich regelmäßig mit dem Rucksack hängen. Es ist ein ziemlicher Kampf. Schließlich erreiche ich glücklich die Straße und Zelte dort am Bach.
Am nächsten Morgen fahre ich mit dem Schulbus in die nächste Siedlung. Ich steige an der Endhaltestelle ein und komme mit der Fahrerin ins Gespräch. Sie schimpft über den kleinen Bus, den sie fährt, und bietet mir von ihren Lakritz an. Nach und nach werden dann die Schülerinnen und Schüler eingesammelt, die mich als absoluten Exot im Bus bestaunen oder ignorieren, je nach Grad des Wachseins. Von Nesbyen aus nehme ich den Zug und weiter den Bus nach Fagernes und quartiere mich dort auf dem Campingplatz in einer Hütte ein.
In Fagernes gehe ich zur Ambulanz, um meinen Fuß einem Arzt vorzustellen. Ich bin auf eine lange Wartezeit eingestellt und habe etwas zu lesen mitgenommen. Zu meinem Erstaunen bekomme ich einen Termin in 20 Minuten. Der freundliche Arzt schaut sich meine Schuhe, meine Füße und die gereizte Sehne gründlich an. Meine Entscheidung, ein paar Ruhetage einzulegen, bekräftigt er. Zusätzlich bekomme ich ein Medikament und drei ärztliche Empfehlungen: Neue stabilere Schuhe, Grünseife, um die Füße durch Fußbäder geschmeidiger werden zu lassen, und: Ich solle nicht zum Nordkap gehen. Der nördlichste Festlandpunkt Norwegens ist ja Kinnarodden weiter im Osten. Der Weg sei zwar extrem hart und steinig, aber die Landschaft wunderschön und es würden höchstens 100 Leute im Jahr dort ankommen. Er sei den Weg selbst gegangen.
Beruhigt und beseelt gehe ich zurück zum Campingplatz. Wie sehr kann man gesegnet sein, um an einen Arzt zu geraten, der sich selber so gut mit dem Wandern auskennt?





