Houston, we've got a problem
We have a serious undervolt in the left foot...
Ich habe ein Problem. Eine Sehne im linken Fuß ist überreizt. Die Sehne ist vorne im Spann, was dazu führt, dass ich den Fuß schlecht nach oben kippen kann. Zur Zeit laufe ich links ein bisschen wie eine Ente.
Auf der langen Etappe vorgestern merkte ich es ein bisschen, aber es war nicht dramatisch. Irgendwas ist ja immer. Gestern spürte ich es ab der Hälfte, und abends war mir klar: Ich habe ein Problem. Also erst einmal Zelt aufbauen, abendessen und schlafen. Ruhe soll ja immer gut sein, und dieser Platz ist wunderschön.
Heute früh überlege ich meine Optionen: Ich könnte hier einen Tag Pause machen und dann in kleineren Etappen nach Nesbyen hinunter laufen. Ich könnte die zehn Kilometer zum Tierpark Langedrag laufen, dort gibt es die Möglichkeit einer Unterkunft und eine Straßenanbindung. Im Notfall, wenn ich gar nicht mehr laufen kann, könnte ich immer noch den SOS Knopf am inReach drücken und die Fjellrettung ausrücken lassen. Immerhin campiere ich nur zehn Meter neben einer Forststraße.
Allerdings habe ich für den Ruhetag die Hütte für den 10. Juni bereits fest gebucht. Ich muss also entweder in den nächsten Tagen mehr laufen oder eine Etappe überspringen.
Da Ruhe bei diesen Problemen immer gut ist und der Platz wirklich schön ist, könnte ich erst einmal abwarten. Die Sonne scheint, im Schlafsack ist es warm. Da ich ein Solarladegerät mit habe, bedeutet das auch: Ich muss nicht einmal Strom sparen, sondern kann auf dem Handy lesen oder Musik hören. Allerdings habe ich hier kein Netz. Ich fälle eine Entscheidung: Ich koche erst einmal Kaffee.
Der Ruhetag vergeht ereignislos und genussvoll. Die Sonne scheint, zwischendurch gibt es immer wieder Regenschauer. Ich lese und lerne eine Lektion Norwegisch. Ohne Handyempfang bleibt viel Zeit, um in die Landschaft zu schauen und den Gedanken Raum zu geben. Dem Fuß geht es langsam besser. Der Tag ist erzwungen und wirft mich aus dem Zeitplan - aber was soll ich anderes tun, als ihn zu genießen? Und es ist ein wunderschöner Platz, an dem ich bin. Es gibt am See sogar eine Art Bank zum hinsetzen, in der Kuhle im Heidekraut schlafe ich wunderbar.
Am nächsten Morgen geht es weiter. Ich werde erst einmal in gemütlichem Tempo nach Nesbyen absteigen und dann weitersehen. Dafür werde ich wahrscheinlich zwei Tage brauchen. Ich werde nie weit weg von einer Straße sein, das gibt Sicherheit.




