von Lars Langhorst
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7. Juni 2026
Oder auch nicht? Ich hatte mich darauf gefreut, längs über das Blefjell zu laufen. Vor 35 Jahren habe ich dort eine wunderschöne Tour mit einem guten Freund erlebt. Damals war es Herbst und der erste Schnee fiel. Wie sieht das Blefjell wohl im Frühling aus? In Notodden erfahre ich, dass alle Hütten oben im Fjell geschlossen sind. Es ist die Kalbungszeit der wilden Rentiere, die geschützt werden sollen. Während in Nordnorwegen die Rentiere alle zahm sind und jemandem gehören, gibt es in Südnorwegen wilde Rentierherden. Die größte in der Hardangervidda, kleinere in den umliegenden Gebirgen - so auch im Blefjell. Die Herde hier scheint vom Aussterben bedroht zu sein und muss deshalb geschützt werden. Das Betreten der freien Natur ist in Norwegen ein wichtiges und sehr hoch gehaltenes Recht, das Jedermannsrecht. So wird das Gebiet nicht gesperrt, aber vom betreten wird abgeraten. Und man schließt eben die Hütten um Wanderer abzuhalten. Ich überlege lange, was ich tun soll. Schließlich entscheide ich mich: Ich trage meinen Teil zum Schutz der Rentiere bei und werde das Fjell nur queren. Also geht es zwei lange Tage durch den Wald, sehr langsam gewinne ich Höhe. Am am dritten Tag erreiche ich endlich das Ende der Waldstraßen. Den Einstieg zum Wanderweg finde ich nicht sofort. Ein freundlicher Norweger, der gerade seinen brandneuen Pistenbulli im Schotter ausprobiert, hilft mir und weißt mir den Weg zur Øvre Fjellstul. Durch Bergwald und Moor geht es weiter. Die Waldgrenze werde ich nicht erreichen und werde so keine großen Ausblicke genießen können. Aber immerhin komme ich zu der Hütte, in der ich damals übernachtet habe. Es sind schöne Erinnerungen, durchs Fenster schaue ich hinein. Weiter geht es im Regen durch Moor und Heidekraut, zwischen Birken und Tannen. Der Blick öffnet sich und ich finde mich mitten im Hüttengelände wieder. Bis weit oben ist alles mit Ferienhütten bebaut. Nichts gegen Ferienhütten. Sie sind oft sehr gemütlich, ich kann Norweger gut verstehen, dass es schön ist, eine zu besitzen. Ich will selber. Habe ja auch schon Urlaub in solchen Hütten verbracht. Besonders im Winter. Wenn rundum Langlaufloipen gespurt sind, ist es eine schöne Sache. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los: Für die Rentiere ist dies tatsächlich nicht die ideale Gegend. Im im futterarmen Winter sind sie hier garantiert nicht ungestört. Die Kalbungszeit fällt in die Osterzeit - da sind alle Norweger in der Hütte im Gebirge zum Skilaufen. Ich werde das Gefühl nicht los, hier wird Rentierschutz mit sehr ungleich langen Wanderstäben betrieben. Hinter dem Bau von Ferienhütten stecken ganz andere finanzielle Interessen als hinter ein paar Wanderern, die die Hütten des DNT nutzen. Mit zwiespältigen Gedanken steige ich ins Tal ab, während der Regen mich immer mehr durchnässt.