Die Querung des Rondane
Das Rondane ist eine der bekannten Berg- und Wandergegenden in Norwegen. In der Mitte ein paar hohe, schroffe Gipfel, drumherum weite Hochebenen. Die Gipfel werde ich nicht besteigen, ich werde vorher nach Osten abbiegen.
Von Vinstra aus geht es bei ziemlich warmem Wetter eine Straße recht steil hinauf. Ich komme ganz schön ins Schwitzen. Doch genieße ich es, höher zu kommen und das Tal mit seinem Autoverkehr hinter mir zu lassen. Plötzlich hält neben mir ein kleiner Geländewagen, der Fahrer springt heraus, öffnet die Hecktür und sagt mir: "Das musst du dir anhören!". Ich bekomme in voller Lautstärke alpenländische Volksmusik vorgespielt. Er ist ein Österreicher, der seit 40 Jahren in Norwegen lebt. Nun ist er auf dem Weg zur Hütte, um dort zu angeln. Er strahlt eine große Freude aus und verrät mir auch sein Lebensmotto dahinter: "Lebe jeden Tag, denn sterben tust du nur einmal." Dann sammelt er noch schnell Müll vom Straßenrand auf und fährt weiter.
Je höher ich komme, desto mehr Wolken ziehen auf, es wird windiger und kalt. So freue ich mich über einen kleinen Unterstand, in dem ich Mittagspause machen kann. Als ich dann die erste Bergkette überschritten habe, suche ich mit dem Fernglas im Tal nach möglichen Zeltplätzen. Es sieht alles sehr sumpfig aus, so beschließe ich, den ersten möglichen Zeltplatz zu nehmen. Dass dies dann schon nach zehn Metern der Fall sein würde, wusste ich da ja noch nicht. Aber wenn es einen Bach gibt und eine ebene Fläche und noch Aussicht dazu, dann bleibt man halt.
Am nächsten Tag quere ich das breite Tal und steige auf einem erstaunlich guten Weg auf die Hochfläche auf. Ich vermute, dass es sich um einen alten Almweg handelt. Als ich am Bach Mittagsrast halte, tauchen zu meinem großen Erstaunen plötzlich Cowboys am Horizont auf, die ihre Kühe durch das Rondane treiben. Etwas überrascht gehe ich aus dem Weg, damit die Kühe in Ruhe den Bach queren können. Am nächsten Tag begegne ich ihnen wieder, als sie an einer Hütte die Pferde striegeln. Die Cowgirls erwidern meinen freundlichen Gruß nicht, wahrscheinlich reden sie nicht mit niederen Fußgängern. Nur der Leiter der Gruppe spricht mich an und erzählt, dass sie ja schon gestern ein Zelt an der Straße gesehen haben.
Die nächste Nacht verbringe ich in der Berghütte Bjørnhollia. Sie ist eine bewirtschaftete Hütte. Das bedeutet eine sehr luxuriöse Lounge, ein üppiges dreigängiges Abendessen und ein überreiches Frühstücksbuffet mitten in den Bergen. Beim Abendbrot sitze ich am Tisch mit drei Norwegern, die sich intensiv mit Zen-Meditation beschäftigen. Es entwickelt sich ein sehr interessantes und bereicherndes Gespräch über das, was das Leben trägt und was wirklich wichtig ist im Leben. Wie erreicht man innere Ruhe, was führt zum Glücklichsein? Wir haben unsere unterschiedlichen Wege und es ist sehr interessant, voneinander zu hören. Beseelt und bereichert ziehe ich mich in meine kleine Kammer zurück und schlafe gut.





Da denkst du nichts Böses und genießt die Mittagspause am Bach - plötzlich taucht eine Gruppe Cowboys mit Kühen am Horizont auf. Ein Duell konnte ich glücklichlicherweise vermeiden.

Eine Stunde lang habe ich gebastelt, bis das Ringstind-Zelt halbwegs ordentlich im Wind stand. Bei Wind ist dieses Zelt nicht ganz einfach. Dafür gibt es abends noch diesen wunderschönen Regenbogen.


Edel einquartiert auf der norwegischen Berghütte.

Diese hübsche Stube habe ich für mich bekommen.


