Lars Langhorst • 19. Juni 2026

Weniger Kilometer - mehr Unterkünfte

Inzwischen bin ich im Gudbrandsdal angekommen. Nach dem Numedal, dem Hallingdal und dem Valdres ist dies das nächste und größte der norwegischen Bauerntäler, die sich im Land nach Norden erstrecken. Eine schöne Etappe mit schönen Bergwegen, aber hier unten im Tal in Vinstra bin ich wieder auf der Straße zwischen den Autos an der E6 angekommen.

Mein linker Fuß schränkt mich immer noch ein. So komme ich nicht so schnell voran wie ich möchte. Es sind also weniger Kilometer, dafür mehr Unterkünfte auf dieser Etappe.

Zwei Nächte habe ich in einer DNT-Hütte zugebracht. Ein Schlüssel passt für fast alle Hütten in Norwegen. Die Hütte Storeskag, in der ich war, liegt in einem alten Almgebiet. Wahrscheinlich ist sie selber eine alte Almhütte. Von innen ist sie wunderbar urig und vor allem hat sie einen Holzofen, mit dem ich heizen kann, während draußen der Sturm um die Hütte tobt. Drei Nächte habe ich im Zelt verbracht. Eine davon im Dauerregen, der nach und nach alles durchnässt. Gut, dass meine Ausrüstung mich auch nass noch gut warm hält. Bei den beiden weiteren Zeltnächten habe ich Glück mit dem Wetter, die Sonne weckt mich jeweils morgens. Ich freue mich draußen in der Natur zu sein und genieße die weiten Blicke in der norwegischen Landschaft. 

Eine letzte Nacht verbringe ich in einem historischen Hotel, das oben in den Bergen am Weg liegt. Im Hotel Fefor hat vor 100 Jahren die norwegische Königsfamilie Urlaub gemacht. Der sehr beliebte König Olav V. (1903 - 1991) war hier als Kind zum Skilaufen. In diesem Hotel hat Robert Falcon Scott residiert, als er seine Motorschlitten ausprobierte. Später in der Antarktis haben sie ihm allerdings nicht sehr geholfen. Bis 1951 hat die niederländische Königin hier Urlaub gemacht, und seitdem scheint am Hotel auch nicht mehr viel verändert worden zu sein. Die öffentlichen Räume sind wunderbar im Drachenstil gebaut und original seit der Erõffnung des Hotels 1891 erhalten.

In Vinstra muss ich mich noch einmal einquartieren, mit meinem Fuß käme ich heute nicht mehr weit genug in die Berge um einen Zeltplatz zu finden. Ich finde ein günstiges Motelzimmer und werde auf dieser Reise das erste Mal als Pilger begrüßt. Der sehr freundliche Wirt schenkt mir als Pilger sogar den Nachtisch zum Abendessen.

Morgen geht es aufwärts ins Rondane - mal schauen, wie zügig ich gehen kann.

Schlafen im Zelt, ...

... schlafen auf der Berghütte ...

... und schlafen im Hotel.

von Lars Langhorst 3. Juli 2026
Am 30. Juni feierte ich meinen 60. Geburtstag. Nun kann ich mich mit Fug und Recht als reifer Mann bezeichnen, vielleicht auch als älterer Herr. Schon beim Geburtstagsfrühstück im Hotel Scandic in Trondheim erreichen mich erste Glückwünsche. Wie schön, dass Menschen an mich denken. Es freut mich sehr, von Freunden und Verwandten zu hören, gerade hier oben in Norwegen auf meiner Reise. Geschenke gibt es keine, ich könnte sie ja nicht im Rucksack tragen. Auch die Geburtstagspost werde ich erst nachträglich öffnen können, wenn ich wieder in Bremerhaven bin. Ich freue mich darauf. Mit dem Bus fahren wir nach Haltdalen, um wieder in die Wanderung einzusteigen. Unerwarteterweise gibt es dort für mich eine besondere Geburtstagsfeier? Wir schauen die kleine, rekonstruierte Stabkirche von Haltdalen an. Anschließend können wir im alten Pfarrhof einkehren. Zum Geburtstagskaffee auf dem Sofa in der original restaurierten Stube gibt es Waffeln mit saurer Sahne und Erdbeermarmelade, klassisch norwegisch. Zehn Kilometer wandern wir zu einem kleinen Berghotel. Auf dem Weg werden uns die Rucksäcke von einem freundlichen Autofahrer abgenommen, unbeschwert können wir die Straße hinaufschlendern. Im Nordpå Fjellhotel leisten wir uns ein festliches Abendessen. Nachdem Annette im Gästebuch festgehalten hat, dass ich heute Geburtstag habe, gibt es auch hier noch eine Menge Glückwünsche. Ein ganz anderer, aber sehr schöner 60. Geburtstag. Ob ich wirklich weiser geworden bin, könnt ihr ja später in diesem Blog feststellen. Ganz herzlichen Dank für die vielen lieben Glückwünsche!!
von Lars Langhorst 1. Juli 2026
Ungefähr ein Drittel meiner Pilgerreise habe ich nun geschafft. Jetzt gönne ich mir eine kurze Pause. Ich steige in Røros aus dem Trail aus und in den Zug ein, der mich nach Trondheim bringt. Zwei Tage bin ich in einer Campingplatzhütte einquartiert. Ich wasche Wäsche, sortiere Ausrüstung, mache das Zelt gründlich von innen sauber und genieße die Ruhe auf der Terrasse der Hütte mit dem Blick über den Trondheimsfjord. Dann kommt meine liebe Frau zu Besuch und wir wechseln in ein Hotel in Trondheim. Das Hotel ist bekannt für das beste Hotelfrühstück Norwegens - wir genießen das Leben und feiern meinen 60. Geburtstag. Dann geht es zurück nach Haltdalen, wo wir gemeinsam für eine Woche wieder in die Pilgerroute einsteigen. Dort sind wir noch für eine Nacht in einem Fjellhotel untergebracht. Dann werden wir wieder im Zelt leben, bei vermutlich recht wechselhaftem und regnerischem Wetter. Wir werden sehen.
von Lars Langhorst 30. Juni 2026
Zwei Tage lang war ich nun ein richtiger Pilger: Von Tynset aus bin ich einem der Olavswege gefolgt. Es gibt in Norwegen ein ganzes Netz von Olavswegen, die alle nach Trondheim zum Nidarosdom führen. Nidaros ist ein alter Name für Trondheim. Ich bin zwei Tage lang dem Nidarosweg durch das Østerdalen gefolgt. Gleich zu Beginn kann ich die Kirche in Tynset besuchen, die extra für Pilger den ganzen Tag über offen ist. Sie ist wunderbar blau ausgemalt. Über dem Kanzelaltar ist nicht der auferstandene Christus dargestellt, sondern die Krone des damaligen dänisch-norwegischen Königs. Hier wird deutlich, wie sehr die Kirche nach der Reformation für die staatliche königliche Verwaltung Norwegens genutzt wurde. Ich genieße die Stille des Kirchenraumes und bleibe eine halbe Stunde für eine ruhige Zeit des Gebetes.