Lars Langhorst • 20. Juni 2026

Zeltplätze

Ich genieße mein kleines Zelt. Fast jeden Abend muss ich mir also einen Zeltplatz suchen. Man darf in Norwegen als Fußgänger in der freien Natur zelten. Aber dazu muss ich erst einmal einen passenden Zeltplatz finden: Zum Ersten muss er zur Etappe passen. Es hilft nichts, wenn nach 5 km ein wunderschöner Zeltplatz da ist. Zum Zweiten brauche ich Wasser. Im Rucksack trage ich nur einen Liter Wasser. Ich brauche also einen Bach oder einen See, um mich selbst und das Wanderhemd zu waschen. Außerdem brauche ich Wasser zum Kochen, für Kartoffelbrei und Kaffee. Schließlich brauche ich einen Platz, der groß genug und eben genug ist für mein Zelt. Das ist nicht so einfach, wie es klingt. In den norwegischen Bergen sind die ebenen Flächen in der Regel sumpfig. Meistens findet sich etwas, in wechselnder Qualität. Der bisher schönste Zeltplatz war vorgestern: Ich hatte einen Bergsee ganz für mich alleine, und der Platz für das Zelt war richtig eben und trocken. Die Aussicht war grandios und die Sonne schien - was will man mehr? Ein Traumplatz.

Zeltplatz gefunden!

10 Minuten später steht das Zelt und ist eingerichtet.

Ein immerhin mittelmäßiger Platz. Wasser ist da, und ich finde genug Platz für das Zelt. Nachdem ich eine Weile herumprobiert habe, habe ich auch den Platz gefunden, an dem ich keine Steine im Rücken habe.

Manchmal bin ich sogar auf Blumen gebettet.

von Lars Langhorst 3. Juli 2026
Am 30. Juni feierte ich meinen 60. Geburtstag. Nun kann ich mich mit Fug und Recht als reifer Mann bezeichnen, vielleicht auch als älterer Herr. Schon beim Geburtstagsfrühstück im Hotel Scandic in Trondheim erreichen mich erste Glückwünsche. Wie schön, dass Menschen an mich denken. Es freut mich sehr, von Freunden und Verwandten zu hören, gerade hier oben in Norwegen auf meiner Reise. Geschenke gibt es keine, ich könnte sie ja nicht im Rucksack tragen. Auch die Geburtstagspost werde ich erst nachträglich öffnen können, wenn ich wieder in Bremerhaven bin. Ich freue mich darauf. Mit dem Bus fahren wir nach Haltdalen, um wieder in die Wanderung einzusteigen. Unerwarteterweise gibt es dort für mich eine besondere Geburtstagsfeier? Wir schauen die kleine, rekonstruierte Stabkirche von Haltdalen an. Anschließend können wir im alten Pfarrhof einkehren. Zum Geburtstagskaffee auf dem Sofa in der original restaurierten Stube gibt es Waffeln mit saurer Sahne und Erdbeermarmelade, klassisch norwegisch. Zehn Kilometer wandern wir zu einem kleinen Berghotel. Auf dem Weg werden uns die Rucksäcke von einem freundlichen Autofahrer abgenommen, unbeschwert können wir die Straße hinaufschlendern. Im Nordpå Fjellhotel leisten wir uns ein festliches Abendessen. Nachdem Annette im Gästebuch festgehalten hat, dass ich heute Geburtstag habe, gibt es auch hier noch eine Menge Glückwünsche. Ein ganz anderer, aber sehr schöner 60. Geburtstag. Ob ich wirklich weiser geworden bin, könnt ihr ja später in diesem Blog feststellen. Ganz herzlichen Dank für die vielen lieben Glückwünsche!!
von Lars Langhorst 1. Juli 2026
Ungefähr ein Drittel meiner Pilgerreise habe ich nun geschafft. Jetzt gönne ich mir eine kurze Pause. Ich steige in Røros aus dem Trail aus und in den Zug ein, der mich nach Trondheim bringt. Zwei Tage bin ich in einer Campingplatzhütte einquartiert. Ich wasche Wäsche, sortiere Ausrüstung, mache das Zelt gründlich von innen sauber und genieße die Ruhe auf der Terrasse der Hütte mit dem Blick über den Trondheimsfjord. Dann kommt meine liebe Frau zu Besuch und wir wechseln in ein Hotel in Trondheim. Das Hotel ist bekannt für das beste Hotelfrühstück Norwegens - wir genießen das Leben und feiern meinen 60. Geburtstag. Dann geht es zurück nach Haltdalen, wo wir gemeinsam für eine Woche wieder in die Pilgerroute einsteigen. Dort sind wir noch für eine Nacht in einem Fjellhotel untergebracht. Dann werden wir wieder im Zelt leben, bei vermutlich recht wechselhaftem und regnerischem Wetter. Wir werden sehen.
von Lars Langhorst 30. Juni 2026
Zwei Tage lang war ich nun ein richtiger Pilger: Von Tynset aus bin ich einem der Olavswege gefolgt. Es gibt in Norwegen ein ganzes Netz von Olavswegen, die alle nach Trondheim zum Nidarosdom führen. Nidaros ist ein alter Name für Trondheim. Ich bin zwei Tage lang dem Nidarosweg durch das Østerdalen gefolgt. Gleich zu Beginn kann ich die Kirche in Tynset besuchen, die extra für Pilger den ganzen Tag über offen ist. Sie ist wunderbar blau ausgemalt. Über dem Kanzelaltar ist nicht der auferstandene Christus dargestellt, sondern die Krone des damaligen dänisch-norwegischen Königs. Hier wird deutlich, wie sehr die Kirche nach der Reformation für die staatliche königliche Verwaltung Norwegens genutzt wurde. Ich genieße die Stille des Kirchenraumes und bleibe eine halbe Stunde für eine ruhige Zeit des Gebetes.